Motorradfahren bedeutet ein hohes Risiko

Motorradfahrer sind einem hohen Risiko ausgesetzt. Das ist allgemein bekannt – und lässt sich gleichzeitig auch mit wissenschaftlichen Untersuchungen der UDV beweisen. Bei Kollisionen mit PKWs wurden knapp 40 Prozent der Unfälle durch Motorradfahrer verursacht. Eindeutige Zahlen, die für schärfere Kontrollen durch die Polizei und bei Bedarf auch einzelnen Streckensperrungen sprechen.

Die Zweiradindustrie hat mich schon als Ihren Gegner identifiziert. Ein Branchenblatt hat mich explizit gefragt: „Sind Sie ein Zweiradhasser?“ Da kann ich versichern: Nein, weil Hass ein irrationales Gefühl ist, das mir als Unfallforscher nicht gut ansteht. Kritisch bin ich aber schon. Und das Beste ist: Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe mit dem Motorrad mehrere Hunderttausend Kilometer in ganz Europa zurückgelegt. Deshalb mal im Ernst und der Bitte um sachliche Beiträge: Sind wir uns nicht einig, dass es etliche (für mich zu viele) Motorradfahrer gibt, die sich als Organspender geradezu aufdrängen?

Dazu ein paar statistische Facts: 

  • Die Zahl der getöteten Motorradfahrer stagniert gegen den übrigen Trend seit Jahren.

  • Das auf den gefahrenen Kilometer bezogene Risiko, getötet zu werden, ist auf dem Motorrad etwa 18 Mal höher als im Auto.

Und jetzt kommt ein ganz beliebter Einwand: Wir Motorradfahrer sind ja Freiwild, der böse Autofahrer ist meist schuld! Dazu zweierlei: Erstens stimmt das nur zum Teil: Bei Kollisionen mit Pkw waren 2010 rund 38 % der Unfälle vom Motorradfahrer verursacht (außerorts 40 %). Rechne ich aber dazu noch die sogenannten Alleinunfälle komme ich auf eine Verursacherquote von 65 % (außerorts 68 %). So sieht`s aus! Und nun zweitens: Was nützt mir die Unschuld, wenn ich tot bin? Ich habe noch gelernt und auch praktiziert: Immer vorausschauend fahren, den Fehler des anderen antizipieren, in der Kurve nicht an die Grenzen der Schräglage gehen, weil ich sonst nicht mehr bremsen kann.

Untersuchungen der UDV zeigen ein anderes Bild

In unseren Untersuchungen sehen wir aber etwas ganz anderes: Viele der bei Zusammenstößen mit Traktoren bzw. landwirtschaftlichen Gespannen getöteten Motorradfahrer könnte noch leben, wenn sie dies beherzigt hätten. Leider sehen wir hier, wie auch bei unserer Datenbankauswertung zu Überholunfällen, dass die Landstraßenbegrenzung auf 100 km/h nicht einmal als grober Anhaltspunkt betrachtet wird. Motorradfahrer haben fünfmal häufiger Überholunfälle mit Getöteten oder Verletzten, als alle anderen Verkehrsteilnehmer zusammen. An fast jedem dritten Überholunfall mit Getöteten ist ein Motorradfahrer beteiligt. Dabei bin ich weit davon entfernt, alle über einen Kamm zu scheren. Im Gegenteil: Wir können statistisch zeigen, dass das Leistungsgewicht der Maschine einen Einfluss auf das Unfallgeschehen hat, also genau genommen natürlich der Fahrer. Meist sind das auch noch die, die glauben, kein ABS nötig zu haben. Ich bin deshalb dafür, dass die Polizei ihre Kontrollen verstärkt und dass im Einzelfall auch Strecken gesperrt werden, auf denen einige versuchen, das Schicksal herauszufordern. Welche Erfahrungen haben Sie als Motorrad- oder Autofahrer gemacht?

Weitere Informationen der UDV zu diesem Thema: