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Wir beziehen uns auf unsere aktuelle Studie zu Abbiegeunfällen zwischen Kfz und Rad. Das von Ihnen genannte Forschungsprojekt ist ja über 20 Jahre alt und ich mußte selbst erst nochmal nachlesen. Leider ist es wie meist in der Diskussion mit Radfahrern, sei es zu diesem oder zum Helmthema: Umfangreiche Arbeiten, die sehr differenzierte Ergebnisse beschreiben, werden auf sehr verkürzte Aussagen reduziert, die fachlich nicht haltbar sind.

Das Ergebnis, dass die Unfallgefährdung an Knotenpunkten ohne LZA bei Fahrbahnführung geringer ist als bei der Führung auf Radwegen, resultiert insbesondere aus der Fehlnutzung durch links fahrende Radfahrer (40% aller Unfälle auf Radfahrerfurten in der Studie).

Die Studie sagt deutlich: „Allerdings läßt sich aus den Ergebnissen nicht schließen, die Führung auf der Fahrbahn oder auf Radfahrstreifen sei generell sicherer als die auf Radwegen, da die untersuchten Unfälle nur ein Teilkollektiv des gesamten Unfallgeschehens mit Radfahrern auf Hauptverkehrsstraßen darstellen“. „Bei der Führung auf der Fahrbahn oder auf dem Radfahrstreifen besteht […] eine Tendenz zu einer geringeren Unfallgefahr für geradeaus fahrende Radfahrer im Vergleich zu Radwegführungen. Allerdings ist dieser Sicherheitsvorsprung im Vergleich zu Radwegen mit Radfahrerfurten geringer Absetzung nur noch schwach ausgeprägt, insbesondere, wenn nur die rechtsfahrenden Radfahrer betrachtet werden.“  Die Studie enthält zudem sehr differenzierte Empfehlungen für die sichere Führung des Radverkehrs unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

Ein Punkt der bei der ganzen Diskussion selten berücksichtigt wird: Viele Radfahrer, insbesondere Ältere, lehnen eine Fahrbahnführung ab. Da der Anteil der Älteren zunimmt, muss dieses Verhalten mehr Berücksichtigung bei der Planung finden. Es wird daher wohl nicht ohne sichere und vom Kfz getrennte Radverkehrsführungen gehen.

Zum Alter der Studie: Sowohl die infrastrukturellen Randbedingungen (Vorgaben ERA) als auch die Verkehrszusammensetzung des Radverkehrs (Anzahl, Altersstruktur) haben sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Ergebnisse von mehr als 20 Jahre zurückliegenden Studien  bedürfen daher zumindest einer kritischen Überprüfung der Übertragbarkeit auf die heutigen Verhältnisse.