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Hallo Herr Brockmann, da an dieser Stelle der Dialog mit den direkt Forschenden möglich ist und der Diskurs gottlob nicht gleich wieder durch allerlei internettypisches Getrolle auseinandergerissen wird, möchte ich gerne zwei, drei Gedanken zum Thema Radhelm-Studien loswerden: Bei der Lektüre einiger der klinischen Studien, die zu einer Schutzwirkung der Helme kommen, fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass Helmträger anscheinend in der Notaufnahme gleich stark repräsentiert sind, wie man es bei einer zufälligen Auswahl aus der Gesamtheit der Radfahrer erwarten würde - teilweise kommt es sogar zu einer deutlichen Überrepräsentation behelmter Unfallopfer. Beispielhaft lässt sich das an Zahlen verdeutlichen, mit denen vor einigen Monaten das Verkehrsministerium BaWü für das Tragen von Radhelmen geworben hat: Nach Angaben des Ministeriums trugen 75 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrer im vergangenen Jahr keinen Helm. Allerdings liegt die Helmtragequote in den letzten Jahren bei Erwachsenen bei etwa zehn Prozent. Wenn jetzt also die Schwaben nicht besonders eifrige Helmträger sind, hätten Helmträger - aus was für Gründen auch immer - ein doppelt so hohes Risiko, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen. Verstärkt wird dieses Problem noch dadurch, dass bei solchen Überlegungen eigentlich intoxierte Unfallopfer auf dem Fahrrad aus der Rechnung herausgenommen werden müßten, denn weil intoxierte Unfallopfer nur in vernachlässigbaren Fallzahlen einen Helm trugen, werden so etliche besonders schlimme Unfälle den Helm-Verweigerern zugeschoben. Hier in Münster bestand innerhalb der letzten Jahre bei etwa der Hälfte der tödlich Verunglückten Radfahrer ein Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum. Worauf ich hinaus will: Wenn man richtig nachrechnet, kommt man zu einer Überrepräsentation der Helmträger in den Notaufnahmen und die Frage ist, woran das liegt. Einerseits kann es natürlich sein, dass eine besonders unfallträchtige Gruppe besonders häufig zum Helm greift - doch es besteht auch die Möglichkeit, dass hier ein Unfallmechanismus am Werk ist, den so niemand vorhergesehen hat (vielleicht Rotations- oder Strangulationstraumata). Wäre schön, wenn da mal jemand richtig nachforschen würde...