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"Warnwesten und Radhelm tragen zum Eigenschutz bei und deshalb empfehle ich das." Nein, Müllmannwesten und Hüte bewirken etwas ganz anderes, nämlich in erster Linie eine Marginalisierung. Sie sorgen dafür, dass Radfahren zunehmend als heikel, gefährlich, angstbeladen gilt. Sie machen es ganz real umständlich, unbequem und unpraktisch, erhöhen den Zubehöraufwand und verlängern Rüstzeiten. Sie legen eine zusätzliche Hemmschwelle. Aber selbst wenn es so wäre - warum Radfahrer? Ihre Empfehlung ist nur nachzuvollziehen, wenn sie diese Zusatzbekleidung dringender brauchen als etwa Fußgänger oder Autofahrer. Oder dringender als Treppen steigende Senioren. Denn all diese Gruppen scheinen nach wie vor gut ohne Helme auszukommen. Auch nach Ansicht der Versicherungsbranche. Wenn es um "die Sicherheit" ginge, dann würde man bei großen Problemen anpacken, die es im Straßenverkehr ja genügend gibt (innerorts 30, um mal das größte zu nennen). Es wundert doch, dass so penetrant ausgerechnet an die appelliert wird, von denen praktisch gar keine Fremdgefährdung ausgeht -- während Kfz-Führer erfolgreich auf ein gar nicht vorhandenes "Grundrecht auf Mobilität" pochen können, mit dem dann doch immer wieder nur "Schnellfahren" gemeint ist. "Die Hauptunfallart Pkw/ Rad ist der Abbiegeunfall, bei dem die Geschwindigkeit des Pkw unter 30 km/h liegt." Kein Helm schützt bei Überfahren durch PKW, nicht mal ein Motorradhelm. Styroporkappen schon gar nicht. Aber Sie haben eines der Hauptprobleme ganz richtig gesehen (nur leider nicht benannt): Radwege. Hier hätte die Versicherungsbranche mal die Möglichkeit, wirklich etwas für "die Sicherheit" zu tun. Ihre Stimme findet bei der Politik viel eher Gehör: Sprechen Sie einfach aus, was die Unfallforschung schon seit vielen Jahren weiß, dass nämlich separierte Radwege das Unfallrisiko vervielfachen. Verlangen Sie die Abschaffung. Wenn es Ihnen um "die Sicherheit" geht. Meine Vermutung ist aber, dass die Versicherungswirtschaft daran gar kein Interesse hat. Das Haftpflichtrisiko, das von einem Fahrrad ausgeht, dürfte etwa um einen Faktor 100 unter dem eines Kfz liegen (ersteres wird bei der Privat-HP umstandslos mitversichert, die aber insgesamt unter 100 Euro liegt; es kann sich also nur um wenige Euro handeln... letzteres kostet selbst nach 20 Jahren unfallfrei noch 200, meist deutlich mehr). Mit anderen Worten: Zwischen den versicherungsbedürftigen Risiken von Fahrrad und Auto liegen Welten. Mindestens 10 Mrd. Umsatz (vermutlich über 20) nur durch Haftpflicht-Versicherungen, das gleiche nochmal für Kasko -- Versicherer haben ein elfstelliges Interesse daran, Fahrradfahren nicht allzu attraktiv zu machen: Es ist einfach zu sicher! An Fahrrädern kann eine Versicherung nichts verdienen. Und so sachlich Ihr Blog auch gemacht ist: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das NICHT das Handeln der Branche (und Ihr eigenes) leitet. Rechnen kann man dort nämlich. Auch warum Studien, die im Ausland eine drastische Verringerung des Radverkehrs feststellen, auf Deutschland "nicht ohne weiteres übertragbar" sein sollen, verstehe ich nicht - bei den Helmen selber hat doch auch nie jemand gefragt, ob sie "auf Deutschland übertragbar" sind? Warum die plötzliche methodische Sorgfalt? In einem muss ich Ihnen aber zustimmen: Die Position des ADFC "Helme schützen, wir empfehlen sie dringend, es darf nur keine Pflicht geben" ist durch und durch schizophren. Schade, denn es wäre so einfach: Da noch immer keine relevante Wirkung überzeugend nachgewiesen wurde, darf man sie genauso einstufen wie levitiertes Wasser. Anders als levitiertes Wasser haben Fahrradhelme aber durchaus bittere Nebenwirkungen. Und im Gegensatz zum ADFC profitiert Ihre Branche von diesen Nebenwirkungen. Können Sie mich überzeugen, dass die NICHT sogar beabsichtigt sind?