Radverkehrsanlagen

Im Jahr 2015 verunglückten in Deutschland 78.176 Rad- und Pedelecfahrer im Straßenverkehr. 383 Personen wurden getötet und 14.230 schwer verletzt. Vor allem Senioren sind auf dem Rad besonders gefährdet. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der getöteten Radfahrer waren 65 Jahre und älter.

Radverkehrsunfälle werden gleichermaßen von den Radfahrern selbst wie auch von anderen Verkehrsteilnehmern verursacht. Häufig spielt dabei auch eine mangelhafte Infrastruktur eine Rolle. Besonders ausgeprägt ist der hohe Anteil schwerer Radverkehrsunfälle an Ampelkreuzungen und Einmündungen, an Fahrbahnquerungen sowie auf zu schmalen Radwegen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich immer mehr Autos und immer mehr Radfahrer eine veraltete und knapp dimensionierte Infrastruktur teilen müssen, die den Sicherheitsanforderungen bei der heutigen Belastung oftmals nicht mehr gerecht werden kann.

Der verkehrssicheren Führung des Radverkehrs innerorts kommt daher sowohl im Streckenverlauf als auch besonders im Bereich signalisierter Kreuzungen und Einmündungen eine herausragende Bedeutung zu. In den Empfehlungen für den Radverkehr (ERA) der FGSV werden Entwurf und Betrieb von sicheren und komfortablen Radverkehrsanlagen ausführlich behandelt. Das in 2010 erschienene vollständig überarbeitete Regelwerk ersetzt die Fassung von 1995. 

Aber auch ein rücksichtsloses Verkehrsverhalten und die Missachtung von Verkehrsregeln sowohl durch Kraftfahrer als auch durch Radfahrer führen immer wieder zu schweren Unfällen. Radfahrer missachten häufig rote Ampeln, fahren auf der falschen Fahrbahnseite oder unter Alkoholeinfluss. Kraftfahrer biegen an Kreuzungen ab, ohne auf Radfahrer zu achten, nehmen den Radfahrern die Vorfahrt und fahren zu schnell.

In Städten mit viel Fahrradverkehr muss es aber nicht zwangsläufig auch zu vielen schweren Radverkehrsunfällen kommen. Meist konzentriert sich das Unfallgeschehen an wenigen Brennpunkten. Werden diese mit den geeigneten Maßnahmen entschärft und gleichzeitig das "Verkehrsklima" zwischen Fußgängern, Radlern und Autofahrern verbessert, kann mit einer deutlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit gerechnet werden. Das ist ein wesentliches Ergebnis einer umfassenden Analyse des Unfallgeschehens in der westfälischen Stadt Münster, die die Unfallforschung der Versicherer (UDV) für die Stadt exemplarisch durchgeführt hat.

Als Maßnahmen zur Verringerung von Unfällen mit Radfahrern empfiehlt die Unfallforschung der Versicherer (UDV)

  • Sachgerechter Aus- und Umbau der Verkehrsanlagen

  • Modifizierung der Ampelsteuerungen (geschützte Phasen für Fußgänger und Radfahrer).

  • Max. 50 km/h auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen mit auffälligem Unfallgeschehen bei gleichzeitiger stationärer Überwachung.

  • Mehr Kontrollen an Ampeln bei Rotlichtverstößen von Radfahrern und Kraftfahrern.

  • Mehr Alkoholkontrollen auch bei Radfahrern.

Langfristig muss zudem durch eine Kombination aus Kommunikation, Verkehrserziehung und Kontrolle das Verkehrsklima zwischen Fußgängern, Radfahrern und Kraftfahrern verbessert werden.