Verbesserung der Verkehrssicherheit in Münster

Die Lebensqualität einer Stadt – so zeigen Umfragen auch in Münster – wird insbesondere auch durch die Gewährleistung einer hohen Verkehrssicherheit bestimmt. Nach Bekanntwerden der über mehrere Jahre schlechten Unfalllage in der Stadt Münster war es daher eine Aufgabe höchster Priorität, den Zusammenhängen und Hintergründen dieser Entwicklung nachzugehen.

Die Stadt Münster, die Polizei und 24 weitere Partner aus Gesellschaft und Verwaltung gründeten dazu im Juni 2007 die „Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention“ mit dem Ziel, gemeinsam Strategien, ein Programm und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in der Stadt zu entwickeln, um die Zahl der Unfälle mit Verletzten in Münster jährlich um 10% zu senken.

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) erklärte sich bereit, durch eine umfassende Analyse der Unfalldaten der Jahre 2004 – 2006 die dafür erforderliche Basis zu schaffen. Der Schwerpunkt dieser Grundlagenuntersuchung liegt in der ingenieurmäßigen Auswertung und Bewertung der unfallauffälligen Strecken und Knotenpunkte im Verkehrsstraßennetz der Stadt, ergänzt um Verhaltensbeobachtungen.

Unfallhäufungsstellen und -linien

In den Jahren 2004 bis 2006 wurden in Münster 27.741 Unfälle polizeilich erfasst, davon 2.541 mit Radverkehrsbeteiligung. Insgesamt wurden 23 Personen getötet, 797 schwer und 3.839 leicht verletzt. Bei Radverkehrsunfällen wurden 6 Personen getötet, 341 schwer und 1.582 leicht verletzt.

Auch wenn sich das Unfallgeschehen in Münster auf das gesamte Stadtgebiet verteilt, lassen sich durch die Auswertung der Unfalltypensteckkarten auch punktuelle und linienhafte Unfallhäufungen feststellen:

  • 59 Unfallhäufungsstellen aus der 3-Jahreskarte 2004-2006,

  • 4 Unfallhäufungsstellen aus der 1-Jahreskarte 2006 und

  • 22 Unfallhäufungslinien aus der 3-Jahreskarte 2004-2006.

Rund ein Drittel aller Unfälle mit Personenschaden geschehen im Bereich der Unfallhäufungsstellen und Unfallhäufungslinien. 86% der Unfallhäufungsstellen sind lichtsignalgeregelte Kreuzungen oder Einmündungen.

Schwerpunkte bei allen Unfällen mit Personenschaden bilden mit insgesamt 46% die Abbiege- und Einbiegen/Kreuzen-Unfälle, also typische Knotenpunktunfälle. 31% aller Innerorts-Unfälle mit Personenschaden ereignen sich in Münster an Lichtsignalanlagen.

Radverkehrsunfälle

Im Zeitraum 2004 bis 2006 wurden in Münster 2.541 Radverkehrsunfälle polizeilich erfasst, davon 1.859 mit Personenschaden, das sind 47% aller Unfälle mit Personenschaden. Insgesamt wurden 51% der Radverkehrsunfälle durch motorisierte Fahrzeuge verursacht, 46% durch Radfahrer und 3% durch Fußgänger. An 12% der Radverkehrsunfälle (302 Unfälle) waren ausschließlich Radfahrer beteiligt.

Hauptunfallursachen bei den 1.286 durch Kraftfahrer verursachten Radverkehrsunfällen sind die Nichtbeachtung der Vorfahrt (34%), Fehler beim Abbiegen (28%) und beim Einfahren in den fließenden Verkehr (10%). Hauptunfallursache bei den 1.164 von Radfahrern verursachten Unfällen sind neben Fahrfehlern (19%) die Nichtbeachtung der Vorfahrt (18%), ungenügender Abstand (15%) und Alkoholeinfluss (12%).

Verkehrsverhalten

In Ergänzung zu den unfallbezogenen Analysen wurden stichprobenhafte Verhaltensbeobachtungen sowie Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt.

Rotlichtverstöße

Der Anteil der beobachteten Rotlichtverstöße durch Radfahrer lag bei 7% aller Querungen an Lichtsignalanlagen. Hochgerechnet auf die absolute Anzahl der Querungen an allen Signalanlagen in Münster kann von etwa 10.000 bis 13.000 Rotlichtverstößen täglich ausgegangen werden.

Verhalten beim Rechtsabbiegen

Die Beobachtung des Abbiegeverhaltens der Kraftfahrer weist auf einen hohen Grad an Unaufmerksamkeit beim Rechtsabbiegen hin. Ein Drittel der Kraftfahrer vergewissern sich nicht ausreichend, ob Radverkehr queren will.

Nutzung der falschen Fahrbahnseite

Die Beobachtung ergab, dass 4% der Radfahrer auf der falschen Fahrbahnseite fahren und ein Viertel der Radfahrer signalisierte Furten in falscher Richtung befahren, was immer wieder zu schweren Unfällen führt.

Geschwindigkeitsmessungen

Durchgeführte Geschwindigkeitsmessungen weisen eine deutliche Häufigkeit von Überschreitungen auf. Insbesondere nachts halten sich nur ein Drittel der Kraftfahrer an die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Jeder dritte Kraftfahrer fährt nachts 10 bis 20 km/h zu schnell und jeder sechste bis zehnte sogar um bis zu 30 km/h.

Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit

Ziel der nächsten Jahre muss sein, Verbesserungen in der Verkehrssicherheit herbeizuführen, um die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden um jährlich mindestens 10% zu reduzieren. Dazu wurde ein detaillierter Katalog von Maßnahmevorschlägen zu allen Unfallhäufungsstellen (UHS) und Unfallhäufungslinien (UHL) durch die UDV erarbeitet und der Stadtverwaltung übergeben.

Um möglichst schnell auf das Unfallgeschehen einzuwirken, sollte mit den Maßnahmen begonnen werden, die einerseits kurzfristig umzusetzen sind und andererseits insbesondere die Verkehrssicherheit an den schwerwiegendsten UHS und UHL verbessern.

Dazu gehören insbesondere:

  • Modifizierung der Lichtsignalsteuerungen durch eigene Linksabbiegephasen, Gelbblinker oder Rücknahme der Nachtabschaltung

  • Intensivierung der Überwachung zur Einhaltung der Verkehrsregeln und Geschwindigkeiten

  • Verdeutlichung der Radverkehrsführung über Grundstückszufahrten und Einmündungen

Weitere Maßnahmen haben eine längere Vorlaufzeit. Auch für diese Maßnahmen sollte jedoch sofort mit der Ausarbeitung von Konzepten und Planungen begonnen werden.

  • Schaffung sicherer Querungsmöglichkeiten von Fußgängern und Radfahrern

  • Gezielte Kommunikationsmaßnahmen zur Verbesserung des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer

  • Verkehrslenkende bzw. verkehrsverlagernde Maßnahmen zur Reduzierung des Konfliktpotenzials zwischen Kraftfahrzeugen und Fußgängern/Radfahrern

  • Breitere Dimensionierung von Radwegen, Anlage von markierten Radverkehrsführungen auf der Fahrbahn

Fazit

Die Beseitigung dieser Problembereiche muss einer der Schwerpunkte der zukünftigen Verkehrssicherheitsarbeit in Münster sein. Dabei wird es nicht nur um bauliche und verkehrsregelnde Verbesserungen gehen. Notwendig sind auch die Entwicklung von Verkehrssicherheitsstrategien sowie von Maßnahmen zur Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um eine neue Qualität der Partnerschaft im Verkehr und damit ein verändertes Verkehrsverhalten zu erreichen.

Auf Grundlage des Gutachtens können nun der vom Rat der Stadt Münster beschlossene „Masterplan Verkehrsunfallprävention Münster“ fortgeschrieben sowie ein breit angelegtes Verkehrssicherheitsprogramm einschließlich zeitlich gestaffeltem Umsetzungs- und Finanzierungskonzept für Münster aufgestellt werden, das jährlich durch Unfallberichte der Polizei und Fortschrittsberichte der Fachverwaltung aktualisiert werden soll.