Radverkehrssicherheit in Deutschland, Niederlande und Dänemark

Die Länder Niederlande und Dänemark gelten als die fahrradfreundlichsten Länder in Europa. Im Vergleich mit Deutschland werden immer wieder das gute Radverkehrsklima sowie die besonders attraktive und „verkehrssichere“ Radverkehrsinfrastruktur dieser Länder betont. In einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) wurde deshalb überprüft, ob der Radverkehr in den Niederlanden und Dänemark objektiv sicherer als in Deutschland ist und ob die in beiden Ländern eingesetzten, besonders sicheren Radverkehrsanlagen in Deutschland für mehr Sicherheit im Radverkehr sorgen könnten. Hierfür wurden vorhandene Rahmenbedingungen und verfügbare Datengrundlagen zu Radverkehrsinfrastrukturen und Unfallgeschehen in den Ländern Deutschland, Dänemark und Niederlande recherchiert.

Eine Analyse der Regelwerke ergab, dass die Führungsformen entlang der Strecke nach unterschiedlichen Kriterien und Maßstäben ausgewählt werden. In allen drei Ländern ist die Wahl der Führungsform zunächst abhängig von der Verkehrsbelastung und der zulässigen Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs. In Deutschland werden die unterschiedlichen Möglichkeiten der Führung in vier verschiedenen Belastungsbereichen zusammengefasst. Dabei sind die Grenzen zwischen den Bereichen eher „weich“ bzw. “fließend“. In den Niederlanden und in Dänemark existieren teils andere Führungsformen als in Deutschland und die Grenzen zur Auswahl von Führungsprinzipien sind eher hart.

Vergleiche gelingen auf der Basis von Mobilitätskennziffern. Der Vergleich der Wegelänge im Radverkehr zeigt, dass in Deutschland und in Dänemark im Durchschnitt mit 3,9 bzw. 3,46 km eine ähnliche große Wegelänge zurückgelegt wird. In den Niederlanden ist die durchschnittliche Wegelänge mit 2,43 km wesentlich geringer. Die Niederländer nutzen das Fahrrad für kürzere Wege als die Deutschen und die Dänen, legen dabei allerdings mit 2,51 km mehr Kilometer pro Einwohner und Tag zurück als die Deutschen (1,36 km) und die Dänen (1,58 km). Ferner zeigt der Vergleich der täglichen Verkehrsleistung, dass in den Niederlanden 8,3 % der täglichen Verkehrsleistung mit dem Rad erbracht wird, in Deutschland hingegen nur 3,5 %, in Dänemark lediglich 4,1 %.

Valide Vergleiche zur Verkehrssicherheit anhand von Unfallkenngrößen lassen sich nur auf staatlicher Ebene und nur unter Betrachtung von der Anzahl der getöteten Radfahrenden vornehmen. Im Bezugsjahr 2017 war hier die Zahl der Getöteten je Million Rad-km in den Niederlanden um den Faktor 1,5 höher als in Dänemark und Deutschland. Vergleiche zu Schwerverletzten sind aufgrund verschiedener Definitionen der Unfallfolge kaum möglich. Leichtverletzte Radfahrende werden in den drei Ländern aus diversen Gründen kaum oder nicht flächendeckend polizeilich erfasst.

Aus diesen Gründen wird eine vertiefende Vergleichsstudie empfohlen, die sich im Wesentlichen auf subjektive Sicherheitsbewertungen stützt. Ein direkter Sicherheitsvergleich auf Basis erfasster Unfalldaten wird voraussichtlich nur punktuell und ergänzend möglich sein. Knotenpunkte sollten bei dieser Studie eine besondere Rolle spielen, da die Machbarkeitsstudie gezeigt hat, dass Unfälle mit Personenschaden und Radverkehrsbeteiligung zu ca. 60 % (Dänemark und Niederlande) bzw. 66 % (Deutschland) an Knotenpunkten zu verzeichnen sind.