Verkehrsgerichtstag 2017: Sicherheit im Radverkehr

Seit acht Jahren ist die Zahl der getöteten Radfahrer nahezu unverändert hoch (2015: 383), die der Schwerverletzten ist sogar seit 16 Jahren nicht gesunken (2015: 14.224). Jeder neunte Tote und jeder fünfte Verletzte im Straßenverkehr ist ein Radfahrer, jeder zweite davon älter als 65. Und die Tendenz zu mehr Radverkehr, mehr älteren Radfahrern und mehr elektrisch unterstützten Fahrrädern dürfte künftig zu noch mehr Rad-verkehrsunfällen führen. Für eine höhere Sicherheit im Radverkehr müssen daher dringend Maßnahmen in den folgenden Bereichen ergriffen werden:

1. Verkehrsinfrastruktur

Obwohl Radverkehrsunfälle meist auf Fehlverhalten der Verkehrsteil-nehmer zurückzuführen sind, spielt eine mangelhafte Infrastruktur eine große Rolle. Aus diesem Grund fordert die UDV, dass die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) konsequent bundesweit umgesetzt werden. Eine ausreichend dimensionierte und gut erkennbare Radverkehrsführung sowie gute Sichtbeziehungen zwischen den Verkehrsteilnehmern sind da-bei wesentliche Elemente.

Da die meisten Unfälle mit Fahrrädern an Kreuzungen und Einmündungen passieren, müssen diese besonders sicher gestaltet werden. Deshalb soll-ten – wo möglich – Rad- und Autofahrer beim Abbiegen eigene Ampel-phasen bekommen. Sichthindernisse an Kreuzungen müssen beseitigt werden.

2. Verhalten im Straßenverkehr

Um Unfallgefahren zu verringern, muss das Verkehrsklima zwischen Rad-fahrern, Fußgängern und Kraftfahrern durch eine Kombination von Kom-munikation, Verkehrserziehung und Kontrolle verbessert werden. Einen Beitrag dazu können auch die Fahrradstaffeln der Polizei leisten. Nach ei-ner Untersuchung der UDV sorgen sie für mehr Akzeptanz von Verkehrs-regeln und damit auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Der Nutzen des Fahrradhelms bei der Vermeidung von schweren Kopfver-letzungen ist mehrfach nachgewiesen, deshalb sollte die Helmtragequote nicht nur bei Kindern und Jugendlichen erhöht werden. Auch bei Unfällen ohne Kraftfahrzeugbeteiligung ist der Radhelm wichtig.

3. Kraftfahrzeug-Technik

Unfälle von Radfahrern mit Autos oder Lkw können auch durch technische Maßnahmen abgeschwächt oder sogar ganz vermieden werden. Deshalb sollte die Entwicklung und Verbreitung von schützender Technik am Fahr-zeug forciert werden. Dazu gehören in erster Linie aktive Systeme wie Not-bremsassistenten mit Radfahrer- und Fußgängerkennung. Um die beson-ders schweren Abbiegeunfälle von Lkw mit Radfahrern zu vermeiden, müs-sen wirksame Abbiegeassistenten entwickelt und in die Serie gebracht werden, auch für Bau- und Entsorgungs-Lkw.

Service:

Zu diesem Thema finden Sie honorarfreie Fotos, Video-Footage und O-Töne von Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, auf der UDV-Themenseite zum Verkehrsgerichtstag 2017.

http://goslar2017.na-smartsite.de/

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