Blitzatlas ist Unfug – UDV warnt vor Verharmlosung des zu schnellen Fahrens

Der heute vorgestellte „Blitzatlas 2017“ des Automobilclubs „Mobil in Deutschland“ ist nach Ansicht der Unfallforschung der Versicherer (UDV) wissenschaftlicher Unfug. Sowohl die Methode als auch die Aussage seien unseriös und nicht haltbar, erläutert  UDV-Leiter Siegfried Brockmann. „Unfallschwerpunkte müssen gar nichts mit den gefahrenen Geschwindigkeiten zu tun haben. Deshalb kann daraus auch nicht die Notwendigkeit von Geschwindigkeitsüberwachung nur an diesen Orten abgeleitet werden.“ An vielen innerstädtischen Unfallschwerpunkten seien beispielsweise Fehler beim Abbiegen die Ursache.

Wissenschaft und Polizei sind im Konsens darüber, dass neben Standorten an geschwindigkeitsbedingten Unfallschwerpunkten zur Durchsetzung der Tempolimits auch ein sogenannter „Flächendruck“ notwendig ist: unerwartete Kontrollen an Stellen, die keine Unfallschwerpunkte sind. “Tempolimits gelten eben immer, überall und für alle“,  betont Brockmann. Wer sich daran halte, habe ja auch nichts zu befürchten. Worte wie „Falle“, „eiskaltes Kalkül“ und ähnliches unterstellten der Polizei Ungesetzliches und verharmlosen den Gesetzesverstoß. Der Club erweise damit den Bemühungen um mehr Verkehrssicherheit einen Bärendienst.

Die UDV hat in den vergangenen vier Jahren in Berlin, Köln, München und Hamburg großflächig Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt, und dabei festgestellt, dass innerorts – vor allem bei niedrigen Tempolimits – oft deutlich zu schnell gefahren wird. Der UDV fordert deshalb, mobile und stationäre Geschwindigkeitskontrollen (auch nachts) unbedingt durchzuführen und eher noch auszuweiten.