Leichtkraftfahrzeuge sind gefährlich – Gewichtsbeschränkung verhindert mehr passive Sicherheit


 

 

 

 

 

Ein autoähnliches Fahrzeug, das nur 350 Kilogramm wiegen darf, kann modernen Sicherheitsansprüchen nicht genügen. Das ist die Erkenntnis eines Forschungsprojekts, das die Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2005 gemeinsam mit dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) initiiert haben. Kurz zuvor waren in Deutschland durch die Einführung des Führerscheins Klasse S die rechtlichen Hürden gefallen und die sogenannten Leichtkraftfahrzeuge auch für Jugendliche ab 16 Jahren fahrbar.

Während diese Leicht-Pkw in Frankreich, Italien und Österreich eine gewisse Rolle im Straßenverkehr spielen, sind die Verkaufszahlen in Deutschland noch recht gering. Zum Glück, denn diese Fahrzeuge stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Das hat nicht zuletzt mit den gesetzlichen Vorgaben zu tun. Denn Leichtkraftfahrzeuge dürfen nicht mehr als 350 Kilogramm wiegen und auch nicht schneller als 45 km/h fahren. Europaweit werden sie überwiegend von älteren Personen benutzt. Dabei sind die Führerscheinanforderungen in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich und meist sehr niedrig. In Deutschland sind diese Fahrzeuge für die Zielgruppe der Jugendlichen ab 16 Jahren momentan weniger interessant – nicht zuletzt wegen des hohen Neupreises von zum Teil deutlich über 10.000 Euro und den nicht zu vernachlässigenden Kosten für die Führerscheinausbildung der Klasse S.

Um das Sicherheitsniveau dieser Fahrzeugklasse zu bestimmen, haben das Allianz Zentrum für Technik (AZT) und die GDV-Unfallforschung neben den physikalischen Grundlagen auch die passive Sicherheit anhand von Crashtests untersucht. Bei sogenannten Low-Speed-Tests wurden unter anderem die Sitze nach dem international anerkannten IIWPG-Test (International Insurance Whiplash Prevention Group) untersucht. Das Resultat war niederschmetternd:

Die Sitz-Kopfstützenkombination des getesteten Kleinfahrzeugs war deutlich schlechter als die „richtiger“ Kleinwagen.

Auch beim sogenannten RCAR-Test, der normalerweise für die GDV-Typklasseneinstufung durchgeführt wird, schnitten die „Kleinen“ katastrophal ab. Während gute Kleinwagen beim Heckcrash Reparaturkosten von 1.000 bis 1.500 Euro verursachen, sind bei den beiden getesteten Leichtkraftfahrzeugen Kosten von 5.600 bzw. 6.200 Euro entstanden, was mehr als 50 Prozent des Fahrzeugneupreises ausmacht. Zudem sind durch das schlechte Ansprechverhalten der Gurte beim Frontcrash schon bei diesen geringen Testgeschwindigkeiten von 15 km/h Verletzungen von Insassen nicht auszuschließen.
Bei den High-Speed-Tests (Front und Seite) nach der Norm ECE R-94/95 waren die Fahrzeuge hinterher ebenfalls in desolatem Zustand. Die Messwerte der Dummys waren jedoch überwiegend im unkritischen Bereich. Bei einem Zusammenstoß mit einem deutlich schwereren Fahrzeug sähe das ganz anders aus. Die Insassen des Leichtkraftfahrzeuges hätten dann kaum noch eine Überlebenschance.