Unfälle mit geringer Überdeckung

 

Ausgelöst durch die Veröffentlichung von Tests durch das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) in den USA sind Pkw-Frontalkollisionen mit geringer Überdeckung („small overlap“) wieder in der fachlichen und öffentlichen Diskussion.

Es stellen sich Fragen nach der Relevanz im Unfallgeschehen sowie daraus resultierende Folgerungen bzw. Umsetzungen. Dabei ist dieser Kollisionstyp nicht unbekannt. Er wird schon seit Jahrzehnten in Fachkreisen diskutiert. Auch für Deutschland stellt sich die Frage, wie relevant die Pkw-Frontalkollision mit geringer Überdeckung ist und was die Folgen dieses Kollisionstyps sind. Dazu hat die Unfallforschung der Versicherer eine umfassende Analyse ihrer Unfalldatenbank (UDB) durchgeführt. 

Ziel der aktuellen Datenanalyse war es, die Frontalkollision mit geringer Überdeckung in einen Gesamtzusammenhang aller Pkw-Kollisionen zu stellen und deren Eigenschaften, bezogen auf detaillierte Unfallparameter, herauszuarbeiten. Darüber hinaus wurden die Verletzungsmuster analysiert und mit denen anderer Kollisionskonstellationen verglichen.

Für die Analysen lagen insgesamt 3.242 Pkw-Unfälle zugrunde. In 60 Prozent dieser Unfälle (n=1.930) handelte es sich um eine Pkw-Frontalkollision und in 15 Prozent (n=485) war mindestens ein Pkw mit einer Überdeckung von nicht mehr als ein Viertel der Breite der Fahrzeugfront („small overlap“) beteiligt.

Die wichtigste Erkenntnis aus den Analysen ist, dass die Relevanz dieser Unfallkonstellation von der Betrachtungsebene abhängt: Rein quantitativ ist die „small overlap“- Kollision beachtenswert. In Bezug auf Getötete ist die Relevanz von „small overlap“ gering. Allerdings in Bezug auf schwere Verletzungen (AIS 2+) der unteren Extremitäten ist die Bedeutung von „small overlap“ groß.

Frontalkollisionen mit “small overlap” machen etwa 15 Prozent aller Pkw-Unfälle und 25 Prozent aller Pkw-Frontalkollisionen aus. Des Weiteren ist in 52 Prozent der „small overlap“ Unfälle der Kollisionsgegner ein anderer Pkw. Kollisionen mit starren Hindernissen wie Baum oder Mast sind sehr selten (1 Prozent).

Aus Sicht der Unfallforschung der Versicherer können sowohl Maßnahmen der passiven als auch der aktiven Sicherheit bei Pkw-Unfällen mit „small overlap“ Wirkung zeigen. So sollte die Fahrzeugstruktur speziell im Hinblick auf Frontalkollisionen mit „small overlap“ angepasst werden. Aber auch aktive Assistenzsysteme, die Abbiegen- und Einbiegen/Kreuzen-Unfälle sowie Gegenverkehrsunfälle adressieren, können das Auftreten von „small overlap“ Kollisionen positiv beeinflussen.