Intelligente Systeme zur Verbesserung der Motorradsicherheit

Bild: BMW

Fahrer von motorisierten Zweirädern (MZR) sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. In der Statistik der Getöteten nach Wahl des Verkehrsmittels aus den Jahren 1996 und 2016 ist der Anteil der getöteten MZR-Nutzer um nahezu 70 Prozent gestiegen.

Lag der Anteil der getöteten Motorradfahrer an allen getöteten Verkehrsteilnehmern 1996 noch bei 9,9 Prozent so stieg er bis 2016 auf 16,7 Prozent an. Die UDV hat in mehreren Projekten das Unfallgeschehen von MZR untersucht und dabei festgestellt, dass die technischen Möglichkeiten, Mofa-, Moped- und Motorradunfälle zu verhindern oder abzuschwächen, bislang sehr begrenzt sind. Deshalb hat die UDV untersucht, welche zukünftigen technischen Entwicklungen sich positiv auf das Unfallgeschehen auswirken könnten.

In der Fachwelt wird in diesem Zusammenhang von Intelligenten Verkehrssystemen (IVS) oder auch Intelligent Transport Systems (ITS) gesprochen. Darunter versteht man alle Systeme der Informations- und Kommunikationstechnologie im Straßenverkehrssektor, die einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Umweltleistung, der Effizienz und der Straßenverkehrssicherheit leisten. Im Rahmen dieser Untersuchung werden darunter intelligente Sicherheitssysteme verstanden, die u. a. mit der Umwelt Informationen austauschen können, um die Sicherheit von MZR zu erhöhen.

Hierzu werden ausgehend vom Unfallgeschehen der amtlichen Statistik die Unfälle mittels der Unfalldatenbank der Versicherer detailliert auf ihre Schwerpunkte hin analysiert. In einem nächsten Schritt werden denkbare intelligente Sicherheitssysteme definiert und den Unfallschwerpunkten per Einzelfalluntersuchung zugeordnet. Das zugrunde liegende Unfallmaterial aus den Jahren 2002 bis 2012 umfasst 1179 Unfälle mit motorisierten Zweirädern, davon 69 Prozent Motorräder, 20 Prozent Mofa/Moped und 11 Prozent Leichtkrafträder mit 50 bis 125 ccm, aus denen die Hauptunfallszenarien abgeleitet wurden, um die Schwerpunkte bei Unfällen mit MZR aufzuzeigen. Abschließend erfolgt eine Bewertung der vielversprechendsten Systeme für MZR vor dem Hintergrund, ob Unfälle mit motorisierten Zweirädern durch den Einsatz von ITS-Systemen positiv beeinflussbar wären und dadurch die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden könnte.

Es zeigt sich, dass die definierten ITS-Systeme für motorisierte Zweiräder in der Lage wären, die Sicherheit positiv zu beeinflussen: Die ersten vier Systeme im Ranking adressieren mehr als zwei Drittel aller Unfälle. Das sind der Kreuzungs- und Querverkehrsassistent, der Kurvenwarner, der Linksabbiegeassistent sowie der Überholassistent. Um den Sicherheitsgewinn dieser vielversprechenden Systeme genauer beziffern zu können, sind weitere, vertiefende Untersuchungen notwendig. Dies gilt insbesondere für die in dieser Untersuchung unterrepräsentierten Alleinunfälle.

Bei der Entwicklung von ITS-Systemen für motorisierte Zweiräder ist es entscheidend, der Mensch-Maschine-Schnittstelle eine besondere Bedeutung zukommen zu lassen, um Ablenkung etc. zu vermeiden und die Akzeptanz beim Fahrer zu erhöhen. Es müssen die Besonderheiten des Zweiradfahrens berücksichtigt werden, da sich das Fahren eines Einspurfahrzeugs deutlich vom Führen eines Pkws unterscheidet.