Verletzungsgeschehen von Insassen schwerer Lkw

Unfälle mit Beteiligung schwerer Güterkraftfahrzeuge finden Beachtung besonders dann, wenn ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger zu Schaden kommen oder wenn bei Kollisionen auf Autobahnen lange Sperrungen und Staus die Folge sind. Die Verletzungen der Insassen von schweren Lkw stehen hingegen nur selten im Fokus, weil sie am allgemeinen Verletzungsgeschehen nur einen vergleichsweise geringen Anteil haben und vorrangig dann entstehen, wenn Lkw von der Fahrbahn abkommen oder mit anderen großen Nutzfahrzeugen kollidieren.

Um diese Lücke in der Forschungslandschaft zu schließen, nutzte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) sowohl eine Sonderauswertung amtlicher Unfalldaten des Jahres 2014 zu Fahrzeugen der EU-Typklasse N3 (Güterkraftfahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen zulässiger Gesamtmasse) als auch Unfälle von 570 schweren Lkw aus der Unfalldatenbank der Versicherer (UDB).

Wenngleich 2014 von den 49 getöteten Insassen in N3-Güterkraftfahrzeugen 14 bei Alleinunfällen starben, so stellen Kollisionen mit anderen Lkw – meist beim Auffahren auf langsamere oder stehende Fahrzeuge am Stauende – das größte Verletzungsrisiko dar. Besonders deutlich wird dies in der Analyse der insgesamt 594 beteiligten Lkw-Insassen in der UDB, von denen 157 verletzt oder getötet wurden. Mehrheitlich wurden diese bei Auffahrunfällen zwischen Lastwagen verletzt. Dabei waren die Unfallfolgen für die Betroffenen besonders gravierend, wenn das Lkw-Fahrerhaus im Bereich des Fahrersitzplatzes deformiert wurde.

Anfängliche Konzepte, den in Europa nahezu ausschließlich vorzufindenden Frontlenker-Fahrerhäusern durch kurze Vorbauten eine bessere Aerodynamik zu verleihen und damit auch eine Verbesserung der passiven Sicherheit  zu ermöglichen, werden wohl nicht weiter verfolgt. Daher bleibt mittelfristig nur die Weiterentwicklung der Fahrerassistenz, insbesondere von automatischen Notbremssystemen und Spurhalteassistenten, um das Verletzungsrisiko für Lkw-Insassen zu senken.