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Mir scheinen die Folgerungen aus dem Versuch voreilig (auch in der allgemeinen Presse: „Unfallforscher warnt vor holländischen Kreuzungen“, „Umgebaute Kreuzungen werden zur Falle für Radfahrer“ "Objektiv wäre die niederländische Lösung schlechter als das, was wir bisher haben", warnt UDV-Leiter Siegfried Brockmann.“). 1. Es geht nur um schwere Lkw, die nur einen kleinen, wenn auch folgenschweren Teil der Kreuzungsunfälle ausmachen, diese Einschränkung tritt in der Presse in den Hintergrund. Die Wirkung des Kreuzungsdesigns bei Lieferwagen und Pkw kann anders sein, was wäre dazu zu sagen? 2. Die Sicht scheint gar nicht schlechter zu sein als bei einem normalen Radweg auf dem Gehweg ohne Verschwenkung. (Was sind „Standardkreuzungen“? Kreuzungen mit Radspur auf der Fahrbahn?) 3. Es wird immer nur allgemein vom „Abbiegeassistenten“ gesprochen, es gibt aber sehr unterschiedliche technische Lösungen, die sich ganz unterschiedlich verhalten. Auf der Daimler-Webseite wird ein Abbiege-Assistent beschrieben, der mit Radar arbeitet, sehr weit unten am Fahrzeug angebracht ist und nach den Abbildungen eigentlich nur für Radfahrende auf der Fahrbahn funktioniert. Und der Fahrer bekommt im vermeintlichen Konfliktfall ein Warnzeichen, weiß aber nicht, was los ist. War es im Versuch ein solcher Assistent? Erkennt dieser Assistent denn Radfahrende an normalen Kreuzungen mit abgesetztem Radweg hinter parkenden Fahrzeugen, Bäumen,,..? Neuere kamerabasierte Systeme (etwa LUIS) geben an, auch Radfahrende auf einem abgesetzten Radweg zu erkennen. Solche Systeme haben eine zusätzliche Mirror-Cam, mit KI-gestützten Markierungen potenziell gefährlicher Objekte, was dem Fahrer die sofortige Einschätzung der Situation erleichtert und auch Situationen visualisiert, in denen die technische Intelligenz schwächelt. Vielleicht sind solche Systeme nötig, um verschiedene Kreuzungsformen angemessen zu erfassen? Muss die Überschrift über den Berichten vielleicht eher heißen: „Daimler-Abbiegeassistent fehlerhaft“? Dürfen solche Assistenten denn in den NL benutzt werden? Dass keine Kreuzung ohne Risiken ist und dass das Vermeiden von Konfliktgrün die beste Lösung ist, ist unbestritten. Zu klären ist dann nur, welcher Strom wieviel Grün erhält. (In den NL gibt es an einigen Kreuzungen das Konzept des Rundum-Grüns für Radfahrer: „Alle Fietsers Tegelijk Groen (AFTG)“, auch ein interessanter Ansatz für bestimmte Fälle.) Ein Lkw, der grundsätzlich weder per Sicht noch per Assistent (vorfahrtberechtigte) Radfahrende an üblichen Kreuzungsformen zuverlässig erkennen kann, darf schlicht keine Zulassung für den allgemeinen Straßenverkehr bekommen!