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gute Fragen... Verkehrssicherheitsarbeit ist im Kern "Wahrnehmungs- und Zeitplanung". Es bestehen direkte Wechelwirkungen zwischen der Verhaltensprävention und der Verhältnisprävention. Ich nenne das "kommunizierende Röhren". Wenn also die Systemgeschwindigkeit Rad durch den Anteil elektrisch unterstützer Zweiräder steigt und die Verhaltensprävention (kognitiv und biologisch) an eine "Kapazitätsgrenze" kommt, dann beginnt die Säule der Verhältnisprävention an Bedeutung zu gewinnen. Es sei denn man beschränkt die Nutzung, was Verkehrspolitisch ein falscher Weg ist, denn wir brauchen m.E. deutlich mehr dieser Übergangssysteme zwischen Fuß und Auto, um den Modal-Splitt besser zu gestalten. Hier setzt langfristig das technische Regelwerke an, das dann Empfehlungen für ein sicheres Radverkehrssystem mit höheren Systemgeschindigkeiten erlaubt (Sicht, Dimensionierung, Abstand, Oberflächenqualität, Beleuchtung, Winterdienst, Verkehrsschau, Sicherheitsaudit, Bestandsaudit, etc...). Kurzfristig bedarf es der Fortbildung kommunaler Entscheider, Planer und der Ausbildung von Ingenieuren. Das System Radverkehr wird vermutlich schneller und zwar überproportional viel schneller schneller, als Infrastruktur und Regelwerke turnusmäßig erneuert werden. Der Mensch ändert sich nicht. Das Problem ist mit unseren Standards nicht befriedigend zu lösen, wir brauchen eine Methodenerweiterung. Lösung: In jedem Fall Forschung...Zusätzlich ein Sonderprogramm zur Erkennung von Defiziten in der Bestandsinfrastruktur (auf klassifizierten Straßen) durch geschulte Auditoren. Erarbeitung eines Leitfadens für Kommunen zur Senisibilisierung und zur präventiven Reduktion von Risiken für Pedelec-Unfälle. Sonderförderrichtlinien für entsprechende Maßnahmen auf "Risikostrecken" (nicht allgemeine Unfallhäufungsstrecken). Sonderempfehlungen für die örtliche Uko/Polizei für die Unfalldatenanalyse für Sonderauswertungen, ggf. als Erlass. Die klassische Uko-Arbeit knackt das Problem nicht bzw. erst viel zu spät, denn diese Unfälle sind in der Regel keine Unfallhäufungsstellen. Hier haben wir also ein strukturelles Problem der Präventionsarbeit durch ein zu träges System, die methodisch nicht auf eine so dynamische Systemveränderung, wie die Entwicklung dieser E-Mobilität, vorbereit ist. Ich teile sehr Ihre Einschätzung, dass zuschauen nicht der richtige Weg ist. Ich sage gerne mal: Unterlassene Hilfeleistung ist ein bekanntes Problem, unterlasse Planungsleistung ist leider als Problem wenig verstanden. Es bleiben viele spannende Aufgaben und viel zu tun :-). Herzliche Grüße ins Team nach Berlin und weiterhin viel Erfolg! Jens Leven