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Der Blick des Unfallforschers auf das Pedelec hat seine Berechtigung und kann in verschiedenen Bereichen zu technischen oder regulatorischen Verbesserungen führen (Bremsen, Fahrwerksanforderungen, Verkehrsregeln). Den Erfolg des elektrisch unterstützten, gesunden und ressourcensparenden Fahrradfahrens kann es sehr zurückwerfen, wenn die Funktionalität stark eingeschränkt wird. Beispiel tretkraftabhängige Unterstützungsleistung: Hört sich erst einmal gut an, fährt sich aber nicht gut. Da der Mensch kein motorenähnlich gleiches, sondern ein sehr ungleiches Drehmoment in jedem Punkt der Kurbelumdrehung "tritt", muss eine Leistungsregelung ständig hoch- und runterfahren. Um das zu verhindern, kann sie z.B. "Mittelwerte bilden", jedoch mit entsprechender Verzögerung, reagiert also träge. Der größte Nachteil ist allerdings (mit Blick auf meine Eltern, die als Senioren Pedelec fahren), dass bei schwindender eigener Leistungsfähigkeit auf einer Radtour auch die el. Unterstützung schwindet, man verliert den Anschluss an Mitradelnde oder gerät in Stress. Das will eine Hauptzielgruppe des Pedelec sicherlich nicht. Thema Manipulierbarkeit: Man kennt es aus Computer- und Sicherheitstechnik, aber auch schon immer aus der Mechanik ("Mofa-Zeit"). Systeme sind und bleiben manipulierbar. Sicherlich ein Randgruppenthema der "Unvernünftigen". Sicher nicht das Thema in der Seniorengeneration oder halbwegs vernünftigen Nutzern. Thema Leistungsbeschränkung: Hier ist ein allgemeiner Lösungsansatz a priori nicht zu finden. Ein leichtes City-Rad kann sich mit 250 W Nenndauerleistung in der Ebene schon fast übermotorisiert anfühlen, für ein Transportrad (Masse!) und bei bergiger Landschaft (Steigungsleistung) sind 250 W NDL oft schon zu wenig, um mit mehr als doppelter Schrittgeschwindigkeit voranzukommen und das Gleichgewicht halten zu können. Regulatorisch auf der Technikseite die mangelnde Vernunft auf mancher Benutzerseite zu "korrigieren" scheint daher nicht erfolgversprechend. Ebensogut könnte man eine technische Leistungsbegrenzung bei PKW auf 75 PS und 130 km/h fordern, um die Unfallschwere/-häufigkeit beim Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit (scheinbar) zu verringern. In beiden Vergleichsfällen könnte ein "Fitnesstest" zur Verlängerung einer Fahrlizenz Sehen + Reaktion prüfen, wer das will, wird allerdings offenbar nicht gewählt oder steht nicht zur Wahl. ;-)