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Ich bin überzeugt davon, dass höhere Bußgelder im Bereich Geschwindigkeitsübertretungen nötig sind, zumindest wird man das Problem mit den derzeitig lächerlich niedrigen Summen (und der zwangsläufig nicht sehr hohen Überwachungsintensität) nicht in den Griff bekommen. Das betrifft aber nicht nur hohe Übertretungen, sondern vor allem auch niedrige - wenn man die derzeitige Akzeptanz derartiger Verkehrsverstöße reduzieren möchte, muss man dafür sorgen, dass nicht wie derzeit eine Großteil der Autofahrer recht regelmäßig zu schnell fährt. Denn derjenige, der (vom Bekanntenkreis akzeptiert) viermal pro Jahr mit 10 bis 15 km/h zu schnell geblitzt wird und sich aufgrund der breiten Akzeptanz der Verstöße im Recht gegenüber der Geschwindigkeitskontrolle sieht, wird auch auf das Gejammere von „Abzocke“ bei denjenigen anspringen, die wegen sehr hohen Übertretungen belangt werden. Wenn man die große Akzeptanz für massenweise, niedrigere Übertretungen reduziert, wird auch die Akzeptanz für hohe Übertretungen zurückgehen. Zumal man davon ausgehen kann, dass ein häufiger sehr viel zu schnell fahrender Autofahrer auch ansonsten die zulässige Höchstgeschwindigkeit nur selten einhält. Einen Straftatbestand braucht man dazu aber m.E. nicht, wenn man Menschen von einem bestimmten Verhalten abbringen will, ist der Griff in den Geldbeutel nunmal meistens die wirkungsvollste Methode. Wie es funktionieren kann sieht man beim Thema Alkohol: Das war mal die Unfallursache Nummer eins, mit Alkohol im Blut Auto zu fahren war gesellschaftlich recht gut akzeptiert, ähnlich wie heute die Geschwindigkeitsüberschreitungen. Dann hat die deutsche Politik - gegen den Widerstand vieler Autofahrer - die Bußgelder drastisch erhöht, Promillegrenzen (also Toleranzen für den Alkoholkonsum) gesenkt und gleichzeitig durch Imagekampagne mit beeindruckendem Erfolg dafür gesorgt, dass Alkohol am Steuer der vermutlich gesellschaftlich geächteste Verkehrsverstoß wurde. Zugleich ist auch die Zahl der Toten durch Alkoholunfälle gesunken - auf weniger als ein Zehntel. Ich kenne mittlerweile viele Leute, die vor Autofahrten grundsätzlich gar nichts Alkoholisches trinken, selbst wenn das Glas Wein zum Abendessen unterhalb der Promillegrenze bleibt (meinem Eindruck nach hatte auch die Null-Promille-Grenze für Fahranfänger in dieser Hinsicht auf alle Bevölkerungsschichten einen entsprechenden Einfluss, vielleicht, weil damit dieses Gefühl „über 0,5 Promille ist verboten, also ist unter 0,5 Promille ungefährlich“ verschwand). Nun kann es natürlich jedem einmal passieren, dass er ein Verkehrszeichen in fremder Umgebung übersieht. Bloß ist das Problem auch weniger, dass ab und zu jemand aus Versehen zu schnell fährt, sondern dass viele Autofahrer systematisch und absichtlich (oder zumindest latent absichtlich) zu schnell fahren; bei manchen Strecken liegt die Übertretungshäufigkeit frei fahrender Kraftfahrzeuge deutlich über 50%. Die meisten Strecken fahren Autofahrer auf bekannten Strecken, die sie regelmäßig zurücklegen; und die meisten Autofahrer beherrschen ihr KFZ auch ausreichend gut, um eine bestimmte Geschwindigkeit zu fahren. Wenn einem ansonsten regelkonform fahrenden Autofahrer einmal ein Verstoß passiert, dürfen die Bußgelder deshalb durchaus im jetzigen Bereich sein. Aber wenn jemand innerhalb kurzer Zeit häufiger geblitzt wird (und noch sehr viel häufiger zu schnell fährt, da die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden sehr gering ist), müsste es deutlich teurer werden. Denkbar wäre deshalb bspw. ein Stufenmodell: Beim ersten Verstoß die heutigen Bußgelder, beim zweiten Verstoß (z.B. innerhalb von zwei Jahren) das Doppelte, beim dritten Verstoß das Fünffache und ab dem vierten Verstoß das Zehnfache. Letzteres wäre zumindest im Bereich bis 20 km/h Übertretung immer noch deutlich günstiger als in vielen anderen Ländern, würde aber sicherlich viele davon abhalten, es nach dem dritten Verstoß auf einen viertes Mal ankommen zu lassen. Verbinden sollte man das mit entsprechenden Kampagnen, wie eben auch schon beim Alkohol - wenn es dort funktioniert hat, wieso nicht auch beim Thema Geschwindigkeitsüberschreitung?