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Auch ich bin der Meinung, dass ein Blitzmarathon, welcher großspurig angekündigt wird, keinen Effekt erzielt. Was mich allerdings an der Berichterstattung der Medien und auch der Begründung der Blitzaktion stört ist die Pauschalierung. Vorab: Natürlich ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung maßgeblich und muss befolgt werden. Überschreitungen sind zu Kontrollieren und auch zu ahnden. Eine gleichmäßige Geschwindigkeit begünstigt den Verkehrsfluss und ist somit sowohl der Fahrerbelastung, der Umweltbelastung und auch der Verkehrssicherheit zuträglich. Aber mich stört der Begriff "Raser"! Es wird immer geschrieben, wie viele Raser geblitzt wurden. Dabei wird nicht unterschieden, ob man knapp drüber war oder wirklich gefährlich zu schnell war. Ich möchte die kleinen Überschreitungen von 10 km/h nicht entschuldigen oder billigen. Aber es ist dennoch ein Unterschied ob ich bei erlaubten 50 km/h mit 60 km/h fahre, oder ob ich mit 95 km/h unterwegs bin. Beides ist natürlich zu schnell und beides soll auch Konsequenzen haben. Aber nicht beides darf in meinen Augen als "Rasen" bezeichnet werden. Die Schlagzeilen nach der Blitzaktion wiesen Zahlen aus, welche ohne Zusammenhang nicht zu deuten waren. Es ist einfach ein Unterschied! Auch wenn das viele nicht sehen möchten und die Meinung vertreten, dass man jede Strafe akzeptieren muss wenn man nicht exakt die vorgeschriebene Geschwindigkeit fährt. Als Vergleich wäre niemand damit einverstanden, dass jedes Fahrzeug, welches die Parkzeit um 5 Minuten überschritten hat, gleich für 400 Euro abgeschleppt wird. Denn bei Parkverstößen wird auch, und das ist sehr gut so, unterschieden ob es "nur" um ein paar Minuten geht oder ob ich eine wichtige Feuerwehrzufahrt blockiere. Sowohl bei der Diskussion über Geschwindigkeiten als auch bei der Überwachung selbst wünsche ich mir eine etwas differenzierte Herangehensweise von allen Parteien. Meine Meinung zusammengefasst: Natürlich muss eine Geschwindigkeitsbeschränkung eingehalten werden. Natürlich muss auch eine Überschreitung geahndet werden. Aber die Verkehrsüberwachung, die Wahl der Geschwindigkeitsbeschränkungen, und auch die Beurteilungen und Strafen sollten realistisch und sinnvoll getroffen werden. Der mobile Blitzer unserer Stadt steht oft abends am Ortsausgang mit gerader Strecke. In den letzten 15 Jahren ist mir dort nur ein einziger Unfall bekannt und dieser war ein Abbiegeunfall, welcher nur bedingt mit der Geschwindigkeit zu tun hatte. Morgens an der Schule sieht man den Blitzer hingegen nur ganz selten. Das ist unsinnig! Von mir aus kann es mehr Kontrollen geben, auch unangekündigt und längerfristig. Aber bitte sinnvoll! Hauptsächlich an Unfallschwerpunkten und wichtigen Stellen. Woanders kann es auch passieren um das Geschwindigkeitsniveau generell zu senken aber dies sollte zweitrangig sein. Solch ein Blitzmarathon rückt das Thema nur kurzzeitig in den Fokus und verblasst danach wieder. Jetzt heißt es wieder "Business as usual" bis die Zeitungen wieder vor der Polizei warnen.