Schülerlotsen - Ja bitte!

An einer Berliner Grundschule sind zwei Mal Schülerlotsen (oder, wie sie im Amtsdeutsch heißen: Verkehrshelfer) von Autofahrern bedrängt worden, die sich offenbar in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt gesehen haben. Nicht, dass das neu ist: Das kann jedem Fußgänger so gehen, der an einer für ihn grünen Ampel ohne den Schutz einer Gruppe die Fahrbahn überqueren will. Radfahrer haben auch kein Problem, da Beispiele zu finden. Und natürlich ist das bedenklich. Aggression im Straßenverkehr, und nichts anderes ist das, ist in jeder Form verwerflich und muss verfolgt werden. Und ganz besonders verwerflich ist es, wenn es gegen Kinder geht, zumal diese auch noch zum Wohle aller tätig waren.

Es stellen sich also einige Fragen, wie wir solche Delikte besser in den Griff bekommen. Und das sind auch juristisch dicke Bretter. Denkbar wäre in diesem konkreten Fall zum Beispiel, den Gefährdungstatbestand aus dem § 315 c StGB, der schon für Überwege gilt, auch für Verkehrshelfer anzuwenden. Das wäre also ein guter Vorschlag.

Die neue grüne Verkehrssenatorin schlägt aber anderes vor: bauliche Maßnahmen vor Schulen, Fußgängerüberwege, temporäre Straßensperrungen. Nun ist dagegen, außer gegen die Sperrungen, für die es keine gesetzliche Grundlage geben dürfte, eigentlich nichts zu sagen. Fußgängerüberwege oder Anforderungsampeln schaffen zusätzliche Sicherheit, wenn die Einsatzkriterien vor Ort gegeben sind (sind sie aber in vielen Fällen nicht). Auch bauliche Maßnahmen können helfen, ein angeordnetes Tempo 30 besser durchzusetzen. Aber wir haben rund 400 Grundschulen in Berlin und Unfälle passieren im gesamten Einzugsgebiet, nicht nur direkt vor der Schule. Überhaupt verunglücken nur wenige Kinder in Berlin: Ihre Unfallbeteiligung lag 2015 bei 0,7 Prozent, ihr Anteil an der Bevölkerung bei rund 13 Prozent. Zwei Prozent der Getöteten waren Kinder, in diesem Fall genau einer: ein Radfahrer, der von den oben vorgeschlagenen Maßnahmen nichts gehabt hätte. Und selbst von dieser geringen Zahl, geschahen viele Unfälle nicht auf dem Schulweg.

Berlin hat aber im Stadtgebiet 1000 Unfallhäufungsstellen, von denen noch sehr viele umgebaut werden müssen. Sehr viele Verletzte und Getötete, auch Kinder, könnten vermieden werden, wenn hier endlich energisch eingegriffen würde.

Die einzig richtige Reaktion wäre es daher gewesen, den Schülerlotsen, die eine tolle Arbeit machen, den Rücken zu stärken. Deshalb muss der Dienst, der an der Berliner Schule vorübergehend eingestellt wurde, sofort wieder aufgenommen werden! Seit Aufnahme des Schülerlotsendienstes in den fünfziger Jahren ist an einem so überwachten Übergang kein einziger Schüler und kein Lotse bei einem Unfall verletzt worden.

Und wenn es in einigen Stadtbereichen Autofahrer gibt, deren Eignung zur Führung eines Kraftfahrzeugs in Zweifel steht, muss da auch mal länger ein Polizist zur Unterstützung vor Ort sein. Dabei kann man ihn gern mit einer Gesetzesänderung unterstützen (siehe oben).