„Blitzer“ nur an Unfallschwerpunkten?

Neuerdings tritt ein Automobilclub namens „Mobil in Deutschland“ als Autofahrerlobby recht aggressiv in Erscheinung. Das muss man wahrscheinlich auch, wenn man gegen die etablierte Konkurrenz von ADAC, ACE, AvD, usw. Boden gutmachen will. Zu dieser Strategie gehört auch der sogenannte „Blitzer-Atlas“, der für die Städte Berlin und München Radar-Standorte und Unfallschwerpunkte miteinander vergleicht. Das ist natürlich methodischer Unfug:

  • Der Erfassungszeitraum war viel zu kurz. Es ist also gar nicht gesagt, dass in einem längeren Zeitraum nicht auch an den Unfallschwerpunkten gemessen worden wäre.

  • Berlin hat 1.500 Unfallschwerpunkte, verglichen wurde nur mit der „TOP 10“.

  • Geschwindigkeitsüberwachung macht vor allem Sinn, wenn ich Unfälle vermeiden will, die auf zu hohe Geschwindigkeiten zurückzuführen sind. Wenn schon vergleichen, dann hätten diese Unfälle herausgefiltert werden müssen.

Diese Mäkelei soll nun aber nicht vom zentralen Konflikt ablenken: Wenn Geschwindigkeit an einem Unfallschwerpunkt das Problem ist, haben sich ortsfeste Anlagen („Starenkästen“) ausgesprochen bewährt. Es gibt wissenschaftliche Beweise genug für ihre Wirksamkeit. Die mobile Überwachung senkt das Geschwindigkeitsniveau gar nicht (wenn sie gut versteckt ist) oder nur für die Dauer der Maßnahme. Schon deshalb ist die Forderung, nur an Unfallschwerpunkten zu kontrollieren, absoluter Quatsch.

„Mobil in Deutschland“ befindet sich grundsätzlich in einem Dilemma. Ausweislich ihrer Homepage treten sie für die Verbesserung der Verkehrssicherheit ein und fordern die Autofahrer auf, sich an die Geschwindigkeitslimits zu halten. Da frage ich mich doch: Wo ist das Problem? Wenn man sich an die StVO hält, wird man auch nicht geblitzt und schon gar nicht „abgezockt“. Der Gesetzgeber hat sich etwas bei der Festlegung bestimmter Höchstgeschwindigkeiten gedacht und die anordnende Behörde auch, wenn sie Schilder mit Tempolimits aufstellen lässt. In Deutschland ist die Geschwindigkeitsübertretung eher ein „Kavaliersdelikt“, tatsächlich aber werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, insbesondere Radfahrer und Fußgänger. Insofern ist es richtig, dass die Polizei überall im Netz kontrolliert. Punkt!

Nachsatz: Dieser „Blitzer-Atlas“ konnte nur deshalb so erfolgreich von vielen Medien kritiklos übernommen werden, weil er ein weit verbreitetes Gefühl anspricht. Auch ich wundere mich gelegentlich darüber, dass an zweispurigen Ausfallstraßen, auf denen weit und breit kein Fußgänger oder Radfahrer zu sehen ist, kontrolliert wird. Oder, wie von mir vor kurzem beobachtet, auf der Autobahn etwa 300 Meter bevor die 120 aufgehoben wurde und man das Schild schon sehen konnte. Das soll jetzt kein Freibrief sein für Schnellfahrer. Aber auch ich erwarte von der Polizei und vor allem von überwachenden Kommunen etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Standorte. Dann hätten wir auch mehr Akzeptanz für die Maßnahmen.

Was meinen Sie: Wo darf, wo soll geblitzt werden?