Typisches Verkehrsverhalten von Radfahrern

Das Verkehrsverhalten von Radfahrern weicht nach Erkenntnissen der Unfallforschung der Versicherer im allgemeinen sehr stark von dem der Autofahrer ab. Es ist wichtig, die typischen Verhaltensweisen von Radfahrern zu kennen und dabei die individuelle unterschiedlichen Verhaltensweise der einzelnen Radfahrer zu erkennen:

Radfahrer „beobachten“ den rückwärtigen Verkehr oft nur aufgrund ihres Gehörs. Da der Rückspiegel fast nie vorhanden ist, erfordert die Beobachtung hinter dem Radfahrer Körper- und Kopfdrehung, für die oft die nötige Fahrzeugbeherrschung fehlt.

Bei niedriger Geschwindigkeit – insbesondere beim Anfahren aus dem Stand und in Steigungen – beansprucht der Radfahrer in Folge starker Pendelbewegungen ein wesentlich größeren Bewegungsraum als bei Normalfahrten.

Ähnlich wie der Fußgänger, der sich ebenfalls ausschließlich mit eigener Kraft bewegt, ist der Radfahrer äußerst umwegeempfindlich. Häufig wird der kürzeste Weg benutzt, unabhängig davon, ob die straßenverkehrsrechtlichen Bestimmungen es zulassen oder nicht.

Der Radfahrer hat während der Fahrt viel Bewegungsenergie gespeichert, die er nach jeder Verzögerung oder jedem Halt aufbauen muss. Er reagiert deshalb sehr empfindlich auf ungleichmäßigen, von außen aufgezwungenen Fahrtablauf.

Fahrräder können im Stillstand in der Regel kein Licht erzeugen. Radfahrer überschätzen deshalb oft bei Dunkelheit ihre Sichtbarkeit.

Regelübertretung

Besonders wenn Radfahrer sich sicher fühlen oder glauben, die Regeleinhaltung würde sie unnötig belasten, werden die Verkehrsvorschriften ignoriert ( z.B. fahren bei Rot, fahren in der falschen Richtung, u.a.). Viele Regelübertretungen spiegeln oft eine nicht nutzergerechte Gestaltung der Radverkehrsanlagen wieder, z.B. da Radwege fehlen werden Gehwege benutzt, da die Wartezeiten an Ampeln sehr lang sind wird eine Rotfahrt in Kauf genommen. Potentielle Umwege führen zu Fahren auf der falschen Seite und vieles andere mehr. Zu weiteren Problemen kommt es, da das Fahren ohne Licht die Radfahrer zusätzlich gefährdet, da sie schlechter gesehen werden.(siehe Artikel „Radfahrer“)

Alkohol und Rad fahren

Alkohol hinter dem Fahrradlenker ist ein zunehmendes Problem. Das zeigt u.a. eine Untersuchung der Polizei in Münster. Dort zeigte sich, dass jeder 10. Radfahrer der einen Unfall verschuldet hat, angetrunken war. Schon bei kleinen Mengen Alkohol war festzustellen, dass die Übersicht und Koordinationsfähigkeit der Radfahrer im Straßenverkehr erheblich nachließ.

Durch den Konsum von Alkohol gefährdet der Radfahrer seine eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer in hohem Maße.

Bei 1,6 Promille besteht absolute Fahruntüchtigkeit für Radfahrer – niedrigere Blutalkoholkonzentration können in Verbindung mit anderen Auffälligkeiten (Verkehrsunfall, Schlangenlinienfahren) strafbar verfolgt werden.
Der Alkoholabbau in der Leber ist ein langwieriger Prozess. Eine kurze Nachtruhe reicht in der Regel nicht aus, um eine höhere Blutalkoholkonzentration abzubauen. Deshalb sollte jeder Radfahrer nach reichlichem Alkoholgenuss prüfen, wann er wieder fahrtüchtig ist.

Die Konsequenzen sind teuer, es kann der Verlust des Führerscheins erfolgen.

Empfehlungen zu mehr Sicherheit für Radfahrer

Zur Verbesserung des Unfallgeschehens beim Radfahren empfiehlt die Unfallforschung der Versicherer ein Konzept aus baulichen, verkehrsregelnde und verkehrserzieherischen Maßnahmen:

An Kreuzungen und Einmündungen muss insbesondere an gefährlichen Knotenpunkten der Radweg an die Fahrbahn herangerückt werden. Radfahrer kommen so stärker ins Blickfeld der Autofahrer und werden deshalb beim Abbiegen früher bemerkt.

Zur Abwehr von Unfällen, die durch einbiegende oder kreuzende Fahrzeuge passieren, wird eine Aufpflasterung oder eine deutliche Hervorhebung durch Markierung oder Einfärbung der Radwege im Kreuzungsbereich empfohlen.
Durch intensive Aufklärungsarbeit der Radfahrer auf die Gefahren regelwidriges Verhalten wie z. B. links fahren auf Radwegen, Fahren bei Rot und Fahren auf Gehwegen soll hingewiesen.

Fahrradhelme tragen zudem zu mehr Sicherheit bei, die Verletzungsfolgen in Folge eines Sturzes können minimiert werden.