Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern

Als so genannte „schwache Verkehrsteilnehmer“ sind Fußgänger und Radfahrer im innerstädtischen Verkehr besonders gefährdet. 2012 verunglückten in Deutschland innerorts insgesamt 97.941 Fußgänger und Radfahrer, 636 davon tödlich. Die hohe Anzahl verletzter und getöteter Fußgänger und Radfahrer hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zum Anlass genommen, Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern und Radfahrern am Beispiel der Stadt Berlin genauer zu analysieren.

Ziel der Untersuchung war es zu ermitteln, welche typischen Unfälle innerorts mit Fußgängern und Radfahrern geschehen, welche Ursachen diese Unfälle haben und welchen Einfluss dabei die Gestaltung der Verkehrsanlagen hat. Da insbesondere für junge Fußgänger im Alter zwischen 6 und 17 Jahren ein hohes verkehrsleistungsbezogenes Unfallrisiko ermittelt wurde, erfolgte zusätzlich eine vertiefende Untersuchung der Umstände dieser Unfälle.

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen zeigen, wie wichtig regelkonformes und rücksichtsvolles Verhaltens im Straßenverkehr ist. Weiterhin konnten typische entwurfstechnische und straßenbetriebliche Defizite aufgezeigt werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung regelkonformer Gestaltung der Infrastruktur und einer fortwährenden konsequenten Arbeit der kommunalen Unfallkommissionen, um Fußgänger- und Radverkehrsunfälle zu vermeiden.

Ergebnisse im Überblick:

  • Fußgänger- und Radfahrerunfälle werden meist durch Fehlverhalten und Regelverstöße der Verkehrsteilnehmer verursacht. Diese werden in etwa zu gleichen Anteilen entweder von den Fußgängern und Radfahrern oder von Kraftfahrzeugführern begangen. An den betrachteten Unfallhäufungsstellen war dagegen bei Unfällen mit Radfahrer und Kfz-Beteiligung in drei von vier Fällen der Kraftfahrzeugführer der Hauptschuldige.

  • Häufigste Fehler der Autofahrer: Fehler beim Abbiegen und nichtbeachten des Vorranges von Fußgängern und Radfahrern

  • Häufigste Fehler der Radfahrer: Befahren falscher Flächen, Fahren in falscher Richtung und Rotlichtverstoß

  • Häufigste Fehler der Fußgänger: Rotlichtverstoß, Fehler beim Überqueren abseits der Querungsstellen

  • Die Gestaltung der verkehrlichen Infrastruktur an den untersuchten Unfallhäufungsstellen entsprach oftmals nicht den Empfehlungen des aktuellen Regelwerks. Meist handelte es sich um typische Probleme auf die bereits in den einschlägigen straßenplanerischen Regelwerken hingewiesen wird und für die an selber Stelle entsprechende Vorgaben oder Maßnahmenvorschläge genannt werden.

  • Besonders hoch ist das verkehrsleistungsbezogene Unfallrisiko der 6- bis 17-jährigen Fußgänger (Faktor > 3). Grundsätzlich ist daher stets besondere Vorsicht gegenüber jungen Fußgängern geboten, denn diese verhalten sich nicht immer regelkonform und können die Gefahren des fließenden Verkehrs nicht immer korrekt einschätzen. Insbesondere an Hauptverkehrsstraßen sowie an Orten an denen sich junge Fußgänger oft aufhalten muss immer damit gerechnet werden, dass diese plötzlich die Fahrbahn betreten. Eine besondere Bedeutung für die Verkehrssicherheitsarbeit kommt hierbei Schulwegplänen zu, die sichere Wege aufzeigen müssen. Eine umfassende Aufklärungsarbeit in den Schulen und durch die Eltern sollte auf die besonderen Gefahren beim Queren der Straße hinweisen und sicherstellen, dass sich junge Fußgänger an Schulwegpläne halten und auch in der Freizeit die vorgesehenen Querungsmöglichkeiten regelkonform nutzen.