Ältere Verkehrsteilnehmer

Der Anteil der Senioren an der Bevölkerung in Deutschland ist seit Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich gestiegen. Er lag im Jahr 2000 bei 16 Prozent und beträgt derzeit etwa 21 Prozent. 2030 werden nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes mehr als ein Viertel der Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein, 2060 schon 34 Prozent. Diese Entwicklungen lassen eine Veränderung der Struktur des Unfallgeschehens im Straßenverkehr erwarten. Deshalb gab die Unfallforschung der Versicherer (UDV) eine Studie zur „Verbesserung der Verkehrssicherheit älterer Verkehrsteilnehmer“ in Auftrag.

Menschen wollen – auch im hohen Alter – mobil bleiben, sich im Verkehrsalltag sicher fühlen und sicher verhalten. Jedoch sind die Folgen von Straßenverkehrsunfällen mit Beteiligung von Senioren bereits heute alarmierend. Seit 1996 stieg deren Verunglücktenzahl im Vergleich zum gesamten Unfallgeschehen überproportional an. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 987 ältere Menschen bei Straßenverkehrsunfällen getötet, 12.197 schwer und 34.427 leicht verletzt. Fast ein Drittel (29 Prozent) aller Getöteten, fast die Hälfte (48 Prozent) der getöteten Fußgänger sowie über die Hälfte (57 Prozent) der getöteten Radfahrer waren ältere Verkehrsteilnehmer.

Im Zentrum der Studie standen folgende Aspekte:

  • die Ermittlung und Gegenüberstellung von objektiven Gefährdungspotenzialen und subjektiven Gefährdungswahrnehmungen älterer Menschen,

  • die Entwicklung von Gefährdungsprognosen auf der Grundlage von Szenarien, mit denen sich das erwartbare Spektrum zukünftiger Entwicklungen abbilden lässt, sowie

  • die Ableitung von Maßnahmen und Empfehlungen für eine alters- und altengerechte Mobilität in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Fahrzeugsicherheit und Verkehrsverhalten.

Die Ermittlung der objektiven Gefährdungspotenziale erfolgte auf Basis differenzierter altersgruppenspezifischer Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes über die Verkehrsunfallstatistik der Jahre 2001 bis 2006. Zur Ermittlung subjektiver Komponenten der Verkehrssicherheit älterer Verkehrsteilnehmer wurde eine repräsentative Befragung in Berlin zum Mobilitätsverhalten und zum subjektiven Sicherheitsempfinden älterer Menschen durchgeführt. An der schriftlichen Befragung beteiligten sich 2.760 Personen.

Die vorliegende Studie zeigte, dass sich objektive Befunde und subjektive Aussagen der befragten Fußgänger und Radfahrer weitgehend treffen. Es sind vor allem komplexe Situationen, die von älteren Verkehrsteilnehmern selbst als kritisch beurteilt werden.

Die Ergebnisse der Studie geben deutliche Hinweise auf künftige Handlungsfelder bezogen auf ältere Verkehrsteilnehmer. Kernaspekte betreffen die Verlangsamung, Vereinfachung und verbesserte Erkennbarkeit des Verkehrsgeschehens. Konkret tragen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit älterer Verkehrsteilnehmer Maßnahmen im Bereich der Fahrerassistenz (vor allem im Sinne des „teilautonomen“ Fahrens), infrastrukturelle Maßnahmen zur Sicherung der Abbiegen und Kreuzungsvorgänge, die zunehmende Umsetzung einer „selbsterklärenden“ Straßengestaltung auf Landstraßen sowie Maßnahmen zur Einhaltung und Anpassung der Fahrgeschwindigkeiten an die Anforderungen von Fahrradfahrern und Fußgängern innerorts am wirksamsten bei.

Deshalb hat die UDV ein neues Forschungsprojekt „Sichere Knotenpunkte für schwächere Verkehrsteilnehmer“ initiiert. In dem neuen Forschungsvorhaben sollen verkehrstechnische Maßnahmen von der Planung bis zum Betrieb von Knotenpunkten analysiert werden, bei denen sich insbesondere die körperlichen und kognitiven Eigenschaften der Senioren am besten berücksichtigen lassen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen dazu dienen, spezifische Anforderungen der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu formulieren und die Forderungen in entsprechende technische Regelwerke zu integrieren.