Alte Autos – Junge Fahrer

Wer in älteren Fahrzeugen verunglückt, erleidet häufiger schwere Verletzungen als in modernen Pkw. Das hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) bei einer Analyse ihrer Unfalldatenbank (UDB) festgestellt.

Es stellte sich für die Untersuchung grundsätzlich die Frage, ab wann ist ein Auto alt? Betrachtet man die Entwicklungen in der Fahrzeugsicherheit in den 90ger Jahren, so stellt man fest, dass der Einfluss des Verbraucherschutzes in Europa stark zugenommen hat. Im Jahr 1997 veröffentlichte das European New Car Assessment Programm (Euro NCAP) das erste Mal eine eigene, anspruchsvolle Sicherheitsbewertung von Pkw. Darüber hinaus zogen Airbags und ESP in die Fahrzeuge ein. Man kann also davon ausgehen, dass Fahrzeuge, die nach 1997 gebaut und entwickelt wurden, für die abgeprüften Testszenarien deutlich sicherer wurden. Aber spiegelt sich dieses Mehr an Sicherheit auch im realen Unfallgehen dieser Fahrzeuge wieder?

Die UDB-Analysen zeigen, dass ältere Autos bei ähnlichen Unfällen deutlich stärkere Deformationen als moderne Konstruktionen erleiden. Die Hypothese ist nun, dass ein höherer Beschädigungsgrad der Fahrzeugfront zu schwereren Verletzungen der Fahrzeuglenker führt. Dazu wurden alle Pkw/Pkw-Frontalkollisionen mit gegurteten Fahrern analysiert. Als Maß für die Verletzungsschwere wurde der MAIS herangezogen. Grundsätzlich steigt das Risiko schwere Verletzungen zu erleiden bei alten Autos deutlich an – egal ob von Jung oder Alt gesteuert. In Autos mit Baujahr vor 1997 ist das Risiko für junge Fahrer, schwer verletzt zu werden, viermal so groß wie in neueren Fahrzeugen.

Im Durchschnitt waren die Autos unfallverursachender 18-24 Jähriger in der Unfalldatenbank der UDV mit 7,5 Jahren eineinhalb Jahre älter als die der übrigen Autofahrer.

Überproportional stark vertreten waren bei den jungen Fahrern die Unfälle in über sieben Jahre alten Fahrzeugen. Ein weiteres Problem ist, dass junge Fahrer auch häufiger in Kleinwagen verunglücken. Der Anteil der Autos unter 1.000 kg Gewicht ist bei 18 - 24 Jährigen doppelt so hoch wie bei den älteren Autofahrern.

Die Folgen zeigen sich in der Bundesstatistik: Von 1.986 getöteten Pkw-Insassen im Jahr 2011, waren 522 zwischen 18 und 24 Jahre alt –  das sind fast 26 Prozent, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur acht Prozent beträgt. Fast 70 Prozent der Getöteten sind männlich.

Daher empfiehlt die UDV:

  • Fahranfänger sollten keine Autos kaufen, die vor 2000 zugelassen wurden. Denn erst ab 1997 haben sich Verbraucher-Crashtests etabliert, die zu mehr passiver Sicherheit führten.

  • Auch gebrauchte Autos sollten unbedingt mit ABS, Airbags und ESP gekauft werden. Wer sich vor der Anschaffung informieren will, ob ESP für das betreffende Modell verfügbar ist, kann das auf www.udv.de/esp tun.

  • Der Sicherheitsgurt ist immer noch Lebensretter Nummer eins. Deshalb muss die Gurtpflicht vorne und hinten immer und ohne Ausnahme beachtet werden.

  • Wer als Eltern seinem Nachwuchs zum Abitur oder zur Abschlussprüfung ein Auto kaufen möchte, sollte vorher einen Blick in den Flyer „Sichere Autos kaufen“ werfen, der auch auf www.udv.de zu finden ist.

Die von der UDV durchgeführten Crashtests veranschaulichen den Sicherheitsunterschied zwischen „neuem“ und „altem“ Fahrzeug deutlich: Bei gleicher Testkonfiguration (60km/h, ODB mit 40 % Überdeckung) kollabierte die Fahrgastzelle des 1997er Modells, was im Vergleich zum 2004er Modell zu deutlich höheren Belastungen am Dummy führt. Die Folge können schwerste oder sogar tödliche Verletzungen sein.