Unfälle mit Mofas und Mopeds

Das Risiko, im Straßenverkehr getötet zu werden, ist für einen Mofa und Mopedfahrer sechs Mal höher als für einen Autofahrer. Aus diesem Grund hat sich die Unfallforschung der Versicherer mit dem Unfallgeschehen von Mofas, Mopeds und Leichtkrafträdern im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojektes beschäftigt, das Anfang 2012 abgeschlossen wurde.

Für das Projekt wurden gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Dr. Priester und der saarländischen Polizei Unfälle dieser Fahrzeuge erhoben und Verkehrskontrollen durchgeführt. Die so gesammelten Erkenntnisse lassen ein detailliertes Bild über das Unfallgeschehen dieser Verkehrsteilnehmerart sowie den Zustand von Fahrzeug und Fahrer zu.

Im Jahr 2010 starben laut Bundesstatistik 67 Mofa- und Mopedfahrer, 3.443 wurden schwer, 14.043 leicht verletzt. Der Bestand der Fahrzeuge in Deutschland beläuft sich auf ca. 2 Mio. Fahrzeuge. Dies ergibt eine Getötetenrate von 20,6 Getötete / 1 Mrd x Kfz x km. Im Vergleich dazu ist die Getötetenrate beim Pkw mit 3,5 in etwa um den Faktor 6 kleiner.

Unfalldaten

Im Rahmen des Projektes wurden 203 Unfälle von einem interdisziplinären Forscherteam an der Unfallstelle aufgenommen. Hauptunfallgegner ist der Pkw. Die Hauptschuld an Unfällen mit mehreren Beteiligten liegt nur zu 33 % beim Zweirad. Allerdings sind auch 20 % aller Unfälle Alleinunfälle ohne Beteiligung Dritter. Es dominieren Einbiegen/Kreuzen-Unfälle (28 %) und Abbiege-Unfälle (22 %). Aber auch Fahrunfälle sind mit 19 % sehr typisch. Mit 31 % stellen die jungen Zweirad-Fahrer zwischen 15 und 20 Jahren die größte Gruppe. Wider Erwarten sind allerdings auch ältere Fahrer zwischen 40 und 70 Jahren mit 48 % sehr häufig anzutreffen. Die Unfälle finden typischerweise innerorts, wochentags und am Nachmittag (12-18 Uhr) auf trockener Fahrbahn statt. Dabei trugen die Fahrer der Zweiräder bis auf einen Integralhelm überwiegend keine weitere Schutzkleidung.

Verkehrskontrollen

Bei den durchgeführten Verkehrskontrollen wurden 129 Fahrzeuge und ihre Fahrer überprüft. Dominante Erkenntnis ist, dass in ca. 50 % unzulässige Manipulationen an den Fahrzeugen vorlagen. In der Mehrzahl waren dies leistungs- und geschwindigkeitserhöhende Maßnahmen, gefolgt von Licht und Spiegel sowie Höherlegungen.

Crashtest

Ein Crashtest, der auch auf www.youtube.com/unfallforschung zu sehen ist, zeigt, wie schwerwiegend eine Kollision mit einem Pkw für einen Rollerfahrer verlaufen kann. Bei dem durchgeführten Versuch wird eine typische Linksabbiegesituation des Pkw abgebildet, der den entgegenkommenden Zweiradfahrer übersieht. Dieser wiederum ist mit deutlich mehr als der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h unterwegs. Geschwindigkeitserhöhende Maßnahmen sind für jeden ohne technisches Vorwissen einfach und schnell umsetzbar. Das Mofa kollidiert mit 55 km/h mit der Seite des Pkw. Anhand der Belastungswerte des Dummys kann davon ausgegangen werden, dass ein Fahrer durch diesen Unfall wahrscheinlich getötet worden wäre.

Forderungen der Unfallforschung der Versicherer:

  • Das Tuning muss deutlich erschwert werden. Sowohl hinsichtlich der mechanischen als auch der elektronischen Maßnahmen.

  • Nach Unfällen mit Mofas und Mopeds sollte regelmäßig auf Tuning und den technischen Zustand des Fahrzeugs untersucht werden.

  • Die bestehenden Gesetze müssen konsequent angewandt werden. Angesichts  der Gefahren sollten Mofa- und Mopedfahrer beim Verstoß gegen das Fahrerlaubnisrecht wirksamer bestraft werden.

  • Die Mofaprüfbescheinigung muss überdacht und gegebenenfalls durch einen Mofaführerschein ersetzt werden.